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Barista-Glossar

Lungo

Ein Lungo ist ein Espresso, durch den deutlich mehr Wasser läuft als üblich. Bei gleicher Kaffeemenge entsteht eine größere, leichtere Tasse, die weniger konzentriert ist und meist mehr Bitterstoffe enthält.

Lang gezogen statt verdünnt

„Lungo“ heißt auf Italienisch lang. Anders als beim Americano wird hier kein Wasser nachträglich zugegeben: Die gesamte Flüssigkeit läuft durch das Kaffeepulver im Sieb. Ein üblicher Richtwert ist ein Verhältnis von etwa 1:3, manchmal auch mehr. Aus 18 Gramm Pulver werden dann rund 50 bis 60 Gramm in der Tasse.

Weil das Wasser länger durch den Puck strömt, löst es auch Stoffe, die bei einem normalen Espresso im Kaffee bleiben. Das sind vor allem bittere, herbe und teils holzige Anteile. Der Lungo schmeckt deshalb weniger süß und dicht als ein Espresso, dafür milder in der Intensität und mit dünnerem Körper.

Wann ein Lungo bitter wird

Läuft ein Lungo mit dem feinen Mahlgrad deines normalen Espressos, dauert der Bezug oft sehr lange. Das Ergebnis ist leicht überextrahiert: trocken, kratzig, mit bitterem Nachgeschmack. Viele stellen die Mühle für einen Lungo deshalb etwas gröber, damit die größere Wassermenge in einer vertretbaren Zeit durchläuft.

Auch die Bohne zählt. Sehr dunkle Röstungen geben ihre Bitterstoffe ohnehin bereitwillig ab und werden als Lungo schnell unangenehm. Helle bis mittlere Röstungen mit klarer Säure halten die lange Extraktion oft besser aus und können als Lungo überraschend ausgewogen schmecken.

Woran du einen gelungenen Lungo erkennst

Ein guter Lungo schmeckt nicht einfach wie ein wässriger Espresso. Er sollte trotz der größeren Menge noch Süße und eine erkennbare Frucht- oder Schokoladennote haben, im Abgang eher sanft herb als kratzig. Achte beim Bezug auf die Farbe des Strahls: Wird er gegen Ende sehr hell und dünn, kommt kaum noch Geschmack nach. Dann lohnt es sich, den Bezug etwas früher zu beenden oder gröber zu mahlen.

Lungo, Café Crème und Americano

Im deutschsprachigen Raum begegnet dir der lange Bezug oft als „Café Crème“ oder schlicht als „Kaffee“ aus dem Vollautomaten. Technisch ist das meist ein Lungo-ähnlicher Bezug mit gröberem Mahlgrad und viel Wasser. Ein Americano entsteht dagegen aus einem normalen Espresso, dem heißes Wasser zugegeben wird – er schmeckt bei ähnlicher Tassengröße deshalb meist klarer und weniger bitter.

Für wen sich der Lungo eignet

Ein Lungo ist interessant, wenn dir Espresso zu intensiv ist, du aber keine Milch möchtest. Er bleibt eine Espressozubereitung mit Crema und dem typischen kräftigen Aroma, nur weniger konzentriert. Wer eine große, klare Tasse sucht, ist mit Filterkaffee oft besser bedient, denn der wird für diese Wassermenge gezielt gröber gemahlen und ganz ohne Druck gebrüht.

Praxistipp

Wenn dein Lungo bitter schmeckt, stell die Mühle zwei, drei Stufen gröber und behalte Dosis und Zielgewicht bei. Läuft er danach deutlich schneller und schmeckt runder, warst du vorher zu fein. Notiere dir beide Einstellungen, damit du zwischen Espresso und Lungo gezielt wechseln kannst.

Häufige Fragen

Ist ein Lungo stärker als ein Espresso?

Im Geschmack nicht – er ist weniger konzentriert und wirkt milder. Beim Koffein kann er etwas mehr enthalten, weil durch die größere Wassermenge mehr aus dem Pulver gelöst wird. Bei gleicher Kaffeemenge ist der Unterschied aber meist gering.

Was ist der Unterschied zwischen Lungo und Americano?

Beim Lungo läuft die gesamte Wassermenge durch das Kaffeepulver. Beim Americano wird ein normaler Espresso nachträglich mit heißem Wasser verlängert. Der Americano schmeckt dadurch meist klarer und weniger bitter, der Lungo kräftiger und herber.

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